Test BPM Studio 4 Pro mit RCP 2001 Remote Control für Keyboards / Heiner Kruse

 

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Erster Überblick

 

Der nächste Schritt im Bereich “Computer-DJ” steht an... die Hardware kommt. BPM Studio bietet als erstes Profi DJ-Programm gleich mehrere, speziell angepaßte Bedienteile. Diese ähneln in Design, Anmutung des Materials und Unterschieden in den Leistungsmerkmalen der gesamten Palette erhältlicher Denon DJ-CD-Spieler ohne ihnen zu gleichen. Das Programm der Firma Alchatech aus Sonneberg wird bereits mit Hardware von Antenne Thüringen eingesetzt und ist doch auch ein bereits bekanntes Bild auf dem Bildschirm des Heim-DJ‘s, der seine Partygäste vom Computer aus berieselt. Ein Gastronom kann mit dem Schwester-Programmm BPM Gastro bis zu 6 Räume von einem Computer aus mit verschiedenen Musiken beschallen. Nachdem wir Native Instruments Traktor hier schon getestet haben, spare ich mir diesmal ausschweifenderes Gezeter über ethische Aspekte der Wandlung des DJ’s  zum Computerjockey und mache es hier kurz – denn es wird noch lang genug.

 

BPM Studio bietet selbstentwickelte Kernel-Treiber, die fast alle gängigen Audiokarten – auch für Notebooks - unterstützen (z.B. WaMi-Box oder RME Hammerfall) . Diese ermöglichen selbst auf einfachsten Systemen eine störungsfreie Bedienung mit einer Latenz von 4ms (!) – was im Test einwandfrei funktioniert hat. Das ist ein fantastischer Wert, der in der Praxis volle Einsatzfähigkeit garantiert – und damit hat BPM Studio die Nase in einem ganz wichtigen Punkt gegenüber den Mitbewerbern vorn – und qualifiziert sich damit für einen weiteren, ausführlichen Test. Selbst ohne Bedienteil und nur mit der Maus ist es möglich, sehr präzise mit den üblichen Tasten CUE und PLAY zu arbeiten. Mit Direct Sound Treibern werden laut Anleitung immer noch akzeptable 20 bis 30ms (im Test: 23ms) erreicht. Die Versionsnummer der getesteten Version ist 4.1. unter Windows 98, die neue Version 4.2., die auch unter Windows 2000 und XP mit ausgewählten Soundkarten arbeitet, ermöglicht laut Alcatech in optimaler Konfiguration sogar bereits getestete Latenzzeiten bis zu 2ms.

 

Neben den beiden Laufwerken, die MP3 oder Audiofiles abspielen können, kann das Programm simultan einen eingebauten CD-Spieler und einen Sample-Player ansteuern, der mit einem eigenen Abspieleditor ausgestattet ist und sinngemäß eine separate “Jingle-Maschine” darstellt. Letztlich ist BPM Studio in der Lage, bis zu 14 MP3‘s gleichzeitig abzuspielen. Verschiedene speicherbare Cue-Punkte, Loopfunktionen, automatische Tempoangleichung und Geschwindigkeitsveränderungen bei gleichbleibender Tonhöhe (Master-Tempo) runden den Komfort der Player ab. An Extra-Tools bietet BPM Studio einen MP3-Decoder/Encoder, ein CD-Brennprogramm, ein Layout-/ Druckprogramm, einen Mixer mit Fadeautomation und EQ’s, eine Art Sample-Editor, einen Kompresseor/Limiter (AGC), einen Echtzeit- BPM Counter, komplexe Datenbank und Archivierungsfunktionen sowie Benutzerverwaltungs und Netzwerkfunktionen.

 

In der Summe ein Programm, das ähnliche und doch auch ganz andere Ansätze verfolgt als z.B. das hier vor einigen Monaten getestete Native Instruments-Programm Traktor. BPM Studio alleine (ohne externen Mixer) ist eher ein Studio mit mehreren Abspielgeräten, Archiv, Schneideraum, Sendestation und Faderstart als ein Battlemixer. Aber: man kann hier jedem Player und auch dem Monitor einen Einzelausgang zuweisen, und damit werden die Karten wieder neu gemischt.

 

Vorbild und Feindbild? Die Grundfunktionen

 

Denon CD-Player sind im CD-DJ Bereich in etwa das, was ein Technics SL 1210 Mk2  im Vinyl-Bereich ist: ein Standard. Die große Masse der kommerzielleren Plattenreiter legt heute bereits mit CD-Playern in Großraumdiscos, Clubs oder auf privaten Feiern auf. So wird weniger Material geschleppt, es werden selbst Sampler gebrannt  und....ein DJ, der alle gängigen Musikwünsche abdecken will bekäme das aktuelle Repertoire, selbst wenn er wollte, nur noch schwerlich komplett auf Vinyl zusammen. Mit der Orientierung an der Denon-Benutzerführung will Alcatech vor allem oben genannten DJ’s den Umstieg erleichtern.

 

Grob gesagt funktioniert das so: man markiert einen Punkt, auf den man starten will. Dazu läßt man den Track spielen, drückt irgendwann Play/ Pause, justiert den genauen Startpunkt mit den Suchtasten oder dem Jogwheel und legt dann den Cue-Punkt durch Drücken auf die Cue-Taste fest. Zum Abspielen muß dann nur noch Play gedrückt werden. BPM Studio erlaubt außerdem das Speichern mehrerer Cue-Punkte sowie Jumps zu diesen Punkten bei weiterlaufendem Abspielmodus – das konnten die CD-Spieler bislang noch nicht.

 

Die weitere Bedienung ist so, wie man es erwartet: Pitch-Bereich zwischen 8, 16 und 24% wählbar mit möglicher Pitchkorrektur. Das Jog Wheel benimmt sich ähnlich wie beim Denon 2600, während das Auffinden eines Punktes im Stück in der Software ohne Bedienteil der Methode beim alten 2000er Denon ähnelt: Drücken der Vor-/Rückspultasten löst zunächst langsames, später schnelles Scrollen aus. Man hat aber über einen weiteren Balken die Chance, sofort an einen Punkt z.B. in der Mitte oder am Ende des Stückes zu springen. Auch eine Brake-Funktion gibt es, die das langsame Stoppen oder Starten einer Platte glaubhaft emuliert und dessen Geschwindigkeit man in einem gewissen Bereich wählen kann – sozusagen von Riemenantrieb bis zum 1210er Sound. . Ein verwegener Wunsch wäre da noch ein selbst definierbarer Brake-Effekt mit den Parametern Abspielrichtung, Endgeschwindigkeit in % und Dauer bis zum Erreichen der Endgeschwindigkeiten (Verlauf als Kurve aufzeichenbar) – schließlich wird z.B. beim Drum& Bass eine Platte zum “Rewinden” schnell zurückgedreht und nicht gestoppt.

 

Eine Automixfunktion existiert in Form eines BPM Counters, der recht zuverlässig funktioniert, auch wenn es etwas überflüssig erscheint, daß man vorher den BPM Bereich wählen soll (z.B. 150-300). Player A kann sich per Knopfdruck automatisch auf die gleiche BPM Zahl einstellen wie Player B. Andererseits lassen sich durch diese kleine Umständlichkeit so nun auch per Automatik “Halftimemixes” realisieren. Den Startpunkt zum Mixeinstieg muß der DJ allerdings selbst markieren und finden, was sicher kein Manko ist

 

Etwas gewöhnungsbedürftig gegenüber einem CD-Gerät ist der Umstand, daß im Display des externen Bedienteils manchmal z.B. Track Nr. 1 erscheint, nachdem man ihn per Knopf angewählt hat, während Track 2 immer noch gespielt wird...um dies zu verhindern muß der neue Track erst per Drücken der Taste Load geladen werden. Das geht zwar schnell und ist auch Absicht, denn so kann der DJ auch ohne Blick auf den Monitor Tracks laden. Dennoch finde ich sollte das Display regulär niemals anzeigen, was nicht zum Abspielen bereit ist – jedenfalls nicht an der gleichen Stelle, wo sonst angezeigt wird, was spielt. (In der Computermonitoranzeige existiert dieser Konflikt allerdings nicht)

 

Loopen

 

Die Möglichkeit, Abschnitte aus der Musik zu loopen, stellt einen der wesentlichen Vorteile für den CD/Mp3 DJ gegenüber dem Vinylkollegen dar und kann zu einer ganz anderen Auflegetechnik, die viel mit einer Live-performance zu tun hat, führen. Für das Loopen gibt es bei BPM Studio mehrere Möglichkeiten: Den Loop-Sampler, der auf dem Bildschirm bedient werden kann, sowie das Loopen mit dem Bedienteil RCP 2001 A oder B. Letzteres funktioniert wieder ähnlich wie bei Denon: Der Loop springt zwischen den Loop-Punkten A und B hin-und her. Diese werden folgendermaßen gesetzt: Grundsätzlich per Hand durch Drücken der Tasten A oder B während die Musik spielt. Im Nachhinein kann, ähnlich wie beim Cue-Punkt, eine Feinjustage erfolgen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Player nach der Markierung des Punktes A selbständig einen Punkt B definieren zu lassen, der genau einen Takt dahinter liegt. Die “Beat Stepping” Funktion erlaubt ferner, mit der gleichen Looplänge an eine spätere Stelle des Tracks zu hüpfen. Die Taste Exit-/ Reloop ermöglicht das Hinausgehen aus dem Loopabspielmodus zurück zur normalen Wiedergabe. Einmal definierte Loops können auf die 6 Cue-Tasten des Bedienteils oder auf den Sample-Player gelegt werden, sofern sich dieser im Loop-Modus befindet, und immer wieder aufgerufen werden. Fazit: Klare Vorteile beim Loopen gegenüber einem CD-Player, doch NI Traktor hat ein tolles neues Feature, was hier fehlt: Traktor kann selbständig Loops in 3 verschiedenen vorgegebenen Längen während des Abspielens automatisch setzen, was wesentlich intuitiver ist...dafür kann man bei BPM Studio etwas komfortabler und gleich mehrere individuelle Loops definieren. Auch BPM Studio kann ja selbst einen Loop von einem Takt Länge definieren...dafür muß jedoch leider erst einmal der Player angehalten werden.

 

Erstaunlicherweise wartet das Programm jedoch noch zusätzlich mit einem Loop-Sampler auf, der mir eigentlich noch besser gefällt als die Loop-Funktionen des Profi-Bedienteils: Dieser kann während des Abspielens einen Loop aufnehmen, der nachträglich in einem Wellenform-Display editiert werden und vorwärts wie rückwärts abgespielt werden kann. Der Clou: Das Ding spielt ergänzend zur normalen Wiedergabe ab, ist mit eigenem Lautstärke- und Pichregler ausgestattet, und kann auch auf den Monitorausgang geroutet werden.

 

Loopen mit BPM Studio in beiden Varianten erlaubt speziell auch folgendes: Ich kann während des Stücks zu einem Loop springen...und danach die Wiedergabe an einer anderen Stelle gegen Ende des Stücks wieder aufnehmen.

 

Sample-Player: Die Jingle-Maschine

 

Der Sampleplayer ist noch ein weiteres Feature, das mit dem Loop Sampler nur insofern etwas zu tun hat, als die definierten Loops – mit oder ohne Bedienteil – auf die 9 Tasten des Sampleplayers gelegt werden können.

 

Er hat seinen eigenen Ausgang im Mixer und spielt wiederum ergänzend zu den anderen Laufwerken ab – wie gesagt, BPM-Studio kann bis zu 14 MP3‘s gleichzeitig abspielen. Knopfdruck auf eine der 9 Tasten löst das Sample oder den Loop aus, wobei verschiedene Abspielmodi gewählt werden können, u.a. ob ein zweites Drücken das Sample wiederum von Beginn an spielt oder das Abspielen beendet.

 

Dieses Tool eignet sich hervorragend um Jingles oder kleine Übergänge einzuspielen...sicher optimal für jede Radiostation. Die Kapazität dieses Wunschtraummaschinchens wird nur durch den Arbeitsspeicher des Rechners begrenzt.

 

Aus dem Sampleplayer wiederum gelangt man bequem in den Editor des Sampleplayers, wo Parameter wie Sampleauswahl, Volume, Pitch, Loop On/ Off und Fade In/Out geregelt werden....und in den eigentlichen Sampleeditor, wo man Loops und Samplestart- und länge bearbeiten kann. Es gestaltet sich dabei sehr einfach, zwischendurch eine Taste mit einem anderen Sample zu belegen.

 

Mixer

 

Der interne Mixer besteht aus 5 Stereokanälen: Player A, Player B, CD-Player, Sampleplayer, Master und Monitor. Die Player können über den Monitorkanal vorgehört werden, der Masterkanal regelt die Gesamtlautstärke. BPM Studio ist vor allem darauf ausgelegt, an einen externen Mixer angeschlossen zu werden. Den einzelnen Playern und dem Monitor können unterschiedliche Ausgänge zugewiesen werden um sie, wie ein Doppel-CD Laufwerk oder 3 Plattenspieler, an einen externen Mixer anzuschließen - sofern ihre Soundkarte soviele verschiedene Ausgänge hat. Falls nicht, können Ausgänge auch von mehreren Playern gleichzeitig genutzt werden. Für den eigentlichen Masterkanal gibt es hingegen keinen Anschluß. Hier wird der konzeptionelle Unterschied zu Traktor am deutlichsten: Bei Traktor gibt es einen Master- und einen Monitorkanal zum Anschluß an den externen Mixer – aber die einzelnen Player lassen sich nicht einzeln an Mixerkanäle anschließen, es sei denn, man routet behelfsweise einen auf den Monitor- und den anderen auf den Masterkanal. Traktor zielt auf eine Abmischung seiner beiden Laufwerke innerhalb des Programms ab. Hier gefällt mir die BPM Lösung besser, da sie weiterhin das Arbeiten in der altvertrauten Weise mit dem DJ-Mixer vorsieht – aber das ist sicher Geschmackssache.

 

Ferner ist die BPM Lösung auch hier nicht nur DJ- sondern zudem radiofreundlich. So bietet BPM Studio für Player A,B und CD-Spieler einen 14bandigen graphischen Equalizer mit optionalem Limiter, dessen Einstellungen gespeichert und aufgerufen werden können. Erster Eindruck: keine drastischen Veränderungen möglich, aber schön zum Soundfeinschliff, z.B. wenn man im Radio eine 70er Jahre Platte nach einem aktuellen Hit spielen will. Diese Art EQ ist sicher nicht für den DJ vorgesehen, der beim mixen aus einem Track mal eben den Bass rausdrehen will – denn dazu müßte er dann erst mal an schätzungsweise sieben kleinen Reglerchen rumfummeln. Handlichere EQ’s oder Filter wie bei Traktor gibt es nicht und auch hier wird wieder klar: Der Profi-DJ soll zuvorderst am externen Mixer arbeiten, während er bei Traktor programmintern mixen soll. Der vom Mainmixer getrennte Fader in der Mitte des “Racks” bietet allerdings dennoch auch bei BPM Studio komfortable Fadeprogrammierungsmöglichkeiten und -automationen mit verschiedenen Fadekurvenverläufen und der Option, die Playlisten der beiden Player im Reißverschlußsystem zu einer einzigen Playlist zusammenzufügen.

 

Die Automatic Gain Control (AGC) von BPM Studio klingt auf den ersten Eindruck gut und bietet neben den üblichen Einstellungen wie Threshold, Attack und Release zusätzliche Parameter: Target markiert den Zielausgangspegel,  Scope gibt die maximale Korrekturerlaubnis durch die AGC an.  Liegt eine Pegelspitze also z.B. mehr als im Scope-Wert eingestellt über dem Target-Wert, wird sie lediglich um den Scope-Wert abgesenkt. Zusätzlich zu dieser Art der Lautstärkeregulierung kann aber auch noch ein klassischer Limiter ans Ende der Kette gesetzt werden. Wie die Equalizer-Funktionen soll auch die AGC vor allem erleichtern, Material unterschiedlicher Lautstärke leichter homogen zusammenzumischen.

 

Der Mixer kann außerdem noch 2 Eingangskanäle externer Signalquellen zumischen sowie die Summe aller Signale mit einem Recorder aufnehmen.

 

Recorder/ MP3 Streaming

 

Der Recorder wiederum ermöglicht die Aufnahme der Performance inclusive der externen Kanäle - als .WAV oder auch direkt als Mp3 File. Im Zusammenspiel mit der Streaming-Funktion ist es außerdem möglich, das Master-Signal an einen Streaming Server direkt aus BPM Studio heraus zu senden – fertig ist der Internetsender. Wünschen Sie eine visuelle Untermalung Ihrer Performance, kann das Recordersignal auch an ein WinAmp Visualisierungs Plug-In weitergeleitet werden.

 

CD-Player/Reader, Encoder, Writer, CDDB

 

Der Druck auf die Taste “Ripper” öffnet die CD-Einheit, die als dritter Player aber auch mit gleichen DJ-Mix-Funktionen wie die Player A und B aufwarten kann...im Prinzip also ihr Computer CD-ROM-Laufwerk zu einem DJ-Laufwerk macht,  das allerdings nicht über die Remote Control zu bedienen ist, es sei denn man zieht einfach die komplette CD aus dem CD Player in den Player A oder B. Die Latenzwerte werden bei Wahl des Kernel Treibers ebenfalls mit 4ms angezeigt – im Test funktionierte die Playtaste (mit Mausklick) tatsächlich ohne jede spürbare Verzögerung. Auch Pitch, Pitch Bend und Loop Sampler liefen tadellos. Lediglich das Zurückspringen zum gewählten CUE-Punkt dauerte etwas länger.

 

Hier ist zudem ein Programm zum Kopieren von CD’s auf Festplatte integriert – wahlweise mit oder ohne Umwandlung ins Mp3 Format, und das funktionierte recht zügig. Der Clou: Druck auf die Taste CDDB verbindet das Programm automatisch und ohne Öffnen eines Explorerfensters mit CD-Datenbankservern, die CD-Titel textmäßig speichern, was Sinn macht, wenn die CD das Format CD Text nicht nutzt. Ich mache den Test schiebe meine “Air – Moon Safari” CD herein, drücke auf CDDB ...und das Programm findet tatsächlich heraus, daß es diese CD ist, auch wenn es mir zwei Alternativen vorschlägt, die ich manuell ablehne. Anschließend benennt es mir alle Stücke der CD automatisch, so daß die lästige Namensgebung für meine neu zu speichernden Mp3‘s entfällt. Gleichzeitig hat sich das Programm alle vorher eingelegten, unbenannten CD’s gemerkt und sucht in der Datenbank nach den Titeln, so daß sie beim nächsten Einlegen letzterer möglicherweise miterscheinen.

 

Auch sonst ist der CD-Reader ziemlich komfortbabel. Zum Beispiel erlaubt er das Kopieren einer Mix-CD mit mehreren Indexpunkten im “at once” Modus. Der Encoder wiederum gestattet das Konvertieren von WAV-Files ins Mp3 Format. Ähnlich positive Schlagzeilen liefert der CD-Writer. Audio CD’s und Daten CD’s lassen sich, z.B. zum Export der Mp3 Datenbank, brennen. Und man kann ganz einfach Playlisten in das Brennprogramm übertragen. Die Titel und Längen werden ebenfalls auf Wunsch als CD-Text auf Audio-CD’s mitgebrannt, sofern ihr Brenner damit einverstanden ist. Unterstützt der Writer CD-RW’s, könnrn Teile der CD-RW sehr bequem durch Drücken auf “Erase” eliminiert werden. Fazit: Eine echte Workstation, kein Umschalten auf separate Brennprogramme mehr nötig.

 

Playlisten und File Archiv

 

Es gibt eine Playlist- Sektion, die entweder aus einem Fenster oder zweien (1 Fenster pro Player) besteht sowie einen File-Archiv-Bildschirm, der anstelle des Mixers oder des CD-Players eingeblendet werden kann. Gespielte Titel werden mit Datum automatisch als Playlist gespeichert und können wieder aufgerufen werden. Ein gelungener Abend kann so rekonstruiert oder im Print Designer gleich als Ausdruck an die GEMA geschickt werden J. Im Unterschied zu Traktor kann hier aber nicht der Mix mit all seinen Details und Reglerbewegungen aufgezeichnet und im Overdub-Modus in mehreren Durchgängen überarbeitet werden. Welches Programm dabei die bessere Performance gestattet, ist damit aber nicht gesagt, denn dafür kann man bei BPM wie gewohnt an den Reglern des externen Mixers drehen.

 

Ferner sind die programmeigenen Archivierungs- und Datenbankfunktionen bei BPM Studio ziemlich umfassend. So lassen sich z.B. die File-Archiv Einträge nach unterschiedlichen Spalten alphabetisch sortieren, wenn man die jeweilige Spalte anklickt. Es können ferner aus BPM Studio heraus beliebig viele Gruppen und Untergruppen angelegt werden. Die Einträge in den jeweiligen Ordnern, die z.B. gespielte Lieder, Styles, aktuelle CD’s oder Artists heißen können, sind nur Verweise auf die Originalfiles, die auch nicht viel Speicher kosten, insofern kann ein Track locker in mehreren Ordnern vertreten sein, ohne sich physikalisch mehrfach auf der Platte befinden zu müssen. In vielen Situationen war die Hauptschwierigkeit beim Auflegen das Auffinden eines gesuchten Tracks, das wird mit BPM Studio der Vergangenheit angehören. Zudem gibt es noch einen “File Search” – Dialog. Die Playlist- wie die Archiv-Sektion bieten außerdem kleine Extravorhörplayer, die die Tracks ohne notwendiges Laden in den Hauptplayer anspielen und auf den Monitorkanal routen. Das bedeutet, daß man z.B. auch Tracks aus der Playlist für Player B vorhören kann, während dieser Player läuft. Langsam wird mir klar, wie man überhaupt in die Versuchung geraten kann, 14 Mp3‘s gleichzeitig spielen zu lassen.

 

Print-Designer

 

Der Print Designer rundet die Möglichkeiten des redaktionellen Arbeitens ab. Natürlich können Playlisten, ganze Archive, Gruppen oder Subgruppen mit allerlei Layoutmöglichkeiten ausgedruckt werden. besonders interessant ist jedoch hier noch die Möglichkeit, Daten in Fremdformaten wie z.B. HTML oder Excel zu speichern. Sicher ist das kein sensationelles Feature, aber praktisch für die tägliche Arbeit. Hier gibt es keine Fallen, die einen User, der sich auf BPM Studio einläßt, später mal im Regen stehen läßt. BPM liefert alle Tools für den archivierenden DJ und den Musikredakteur gleich mit. Kein französisches Auto, für das ich nur alle paar Städte ein paar überteuerte Ersatzteile bekomme...kein Outlook Express, das mich beim Versuch des Exports meiner E-mail Kontakte regelmäßig die schönsten Totenköpfe auf Papier zeichnen läßt.

 

Netzwerk

 

Über 10Mbit (laut Alcatech bis zu 5 User) oder 100MBit Netzwerke läßt sich das Programm als Server nutzen. der Besitzer einer Discothek kann also beispielsweise mit BPM Studio 5 Arbeitsplätze für verschiedene DJ’s einrichten, die auf das gleiche Archiv zurückgreifen. Die Steuerung von BPM Studio ist über die Standardprotokolle HTTP und Telnet möglich. Dadurch können Sie theoretisch grippal verschnupft von ihrem PC zu Hause aus in mehreren Discotheken gleichzeitig auflegen...nur für den Fall der Fälle.

 

Sonstiges

 

BPM Studio bietet ferner eine Benutzerverwaltung, die Zugriffsrechte auf Module, Archive oder Schreibverbote regelt. Und...eine Menge verschiedener Designs (Skins), die eine Designoberfläche des Programms nach Wunsch bieten. Die zahlreichen Einstellungen, die in den Preferences vorgenommen werden können, beinhalten ferner Dinge wie eine Normalize-Funktion, Speicherung von ID3 Tags (die z.B. die BPM (Beats per Minute) Information beinhalten) oder das Verbot irgendwelche parallel laufende Programme neben BPM Studio zuzulassen.

 

Das Bedienteil

 

...wurde hier mehr oder weniger in den Test miteinbezogen, soll hier jedoch noch einmal gesondert zur Sprache kommen, da BPM Studio hier im Profibereich bislang völlig konkurrenzlos ist. Wie bereits erwähnt gibt es verschiedenste Bedienteile für unterschiedliche User, die vage mit den unterschiedlichen Komforts und auch Displays der Denon Player 1800, 2000, 2100 oder 2600 vergleichbar sind, von deren Bekanntheit ich hier ausgehe. Alles funktionierte wie beschrieben, außer daß das Programm ein paar Mal zu oft gemeldet hat, daß es grade das Bedienteil erkannt hat. Mit der Ausnahme der Loopfunktionen läßt sich das meiste auch per Maus am Computer bedienen, doch wird jeder DJ sich das schöne Bedienteil wünschen. Fast alle Funktionen lassen sich von hier aus steuern – selbst im Archiv Titel suchen oder in der Playlist stöbern, wofür ich persönlich doch den Bildschirm bevorzuge. Das getestete RCP 2001 B (mit Pitch Wheel statt Slider beim 2001 A) hat zusätzlich u.a. die Knöpfe des Sampleplayers mit eingebaut, was ein großer Vorteil ist. Wird dieses Bedienteil nicht ins Rack eingebaut sondern auf den Boden gelegt, läßt es sich mit einem Spezialkabel an den Computer anschließen, daß nicht hinten, sondern seitlich gesteckt wird – leider aber nachbestellt werden muß.

 

Praxis:

 

Wie gesagt: Das Programm hält, was es verspricht und fühlt sich stabil und dank der Treiber vor allem sehr schnell an. Natürlich ist es trotzdem vor allem das Hardwarebedienteil, das die neuen Technikdimensionen erlaubt, ohne daß der User auf  von CD-Playern liebgewonnenen Komfort verzichten muß. Die Bedienungsanleitung ist komplex und manchmal nicht optimal strukturiert, läßt aber mit ein bißchen Geduld keine Fragen offen. Das Programm wird mit einem Dongle als Kopierschutz geliefert, der an die parallele Schnittstelle z.B. vor den Drucker geklemmt werden kann, das Hardware-Bedienteil will an die serielle Schnittstelle, mit einem handelsüblichen, auch bei ALCATech erhältlichen USB-seriell Wandler kann auch der USB Anschluß genutzt werden.

 

Fazit

 

BPM Studio bietet rein von der Software her mit seinen Abspielgeräten, dem Sampleplayer, den Archivierungs-, Sende-, Aufnahme- und Netzwerkfunktionen ein komplettes Radiostudio und außerdem definitiv die erste Wahl für jeden mobilen DJ. Wer mit einem großen Musikrepertoire arbeiten muß, sollte sich dieses Programm zulegen. BPM Studio ist mit seinen zahlreichen Tools wie ein Schweizer Taschenmesser für DJ’s und Musikredakteure. Zudem bietet es unglaublich schnelle Treiber, die dem DJ echtes Vertrauen in die neue Technik geben – sowie die bislang konkurrenzlosen Hardware-Bedienteile. Das Konkurrenzprogramm Traktor kann mit seinen Filtern, seiner automatischen Loopfindung und der Aufzeichnung der Reglerbewegungen beim Mix trotzdem für editierfreudige DJ’s die erste Wahl sein. In Kombination mit einem guten DJ-Mixer aber liegt für mich das Konzept von BPM Studio vorn und liefert mit den verschiedenen Sample- bzw. Loopplayern und Cue-Punkten wieder andere intuitive Tools zum Experimentieren. Ein Programm, das in der Fülle seiner Möglichkeiten kaum zu erfassen und seinen Preis wert ist.

 

 

FOCUS:

Pro

 

BPM Studio läßt sich als vollwertiger DJ-Arbeitsplatz oder auch als komplettes Radiosendestudio beschreiben, daß zahlreiche Möglichkeiten der Einspielung von zusätzlichen Sounds, Editierung, Archivierung, Strukturierung, Sendung, Dokumentation und Experimentierfreude bis hin zu Netzwerk- und Fernsteuerungsfunktionen liefert und auch in kleinen, weniger auffälligen Detaillösungen überzeugt. Zudem erleichtert es vielen DJ’s den Umstieg durch eine den bekannten CD-Spielern ähnliche Benutzerführung. Dabei bietet es gegen über Traktor vor allem die Möglichkeit, die programminternen Laufwerke über zuweisbare Ausgänge einzeln am externen DJ-Mixer anzuschließen. Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Treiber, die Angebotspalette von Hardwarebedienteilen sowie der Funktionsumfang markieren die absolute Spitzenklasse im Bereich des Computerdj’ings oder sind gar konkurrenzlos.

 

Contra

 

Einige Funktionen des Bedienteils oder das Loopen im Bedienteil wie der Zwang zum vorherigen Ladens des Tracks sind gewöhnungsbedürftig. Die Traktor-Konkurrenz bietet eine interessantere Loop-Funktion. Leider wird es keine Mac-Version geben.

 

 

Profil:

 

Funktionen

Kompletter DJ Arbeitsplatz (u.a. doppelter Mp3/Audio – Player/ Sampleplayer) oder Radiosendestudio mit Archivierungs- Sendungs-  Dokumentations- und Netzwerkfunktionen als Software in Verbindung mit einem PC, optional mit Hardwarebedienteil.

Systemvoraussetzungen

Pentium2 400MHz, 128MB Arbeitsspeicher, 20MB Festplattenspeicher für die installation, SVGA Grafik 800x600 Pixel, 16Bit Soundkarte (2 Soundkarten empfohlen), 40fach CD-ROM für dessen alternative Nutzung als Player, parallele Schnittstelle LPT1, serielle Schnittstelle COM 1 oder 2, Windows 95, Windows 98 oder ME alternativ Windows 2000 oder XP (ab BPM Studio Version 4.2)

Lieferumfang

CD, Handbuch, Dongle, ggf. Bedienteil mit Kabeln

Unverb. preisempfehlung

BPM Studio 4: 399,- Euro

Bedienteil RCP 2001 B: 1.399,- Euro incl. BPM Studio Pro Software

Hersteller:

Alcatech, 01309 Dresden, Haydnstr. 22

Internet:

www.alcatech.de